Eine Frage der Einstellung: perfekt unperfekt

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Alles andere als perfekt…

Kennt ihr auch das Gefühl, wenn ihr euren Körper anschaut und etwas nicht schön findet?

Als Kind war das Gefühl, unperfekt zu sein, mein ständiger Begleiter. Aufgewachsen in

einem kleinen Dorf war ich das einzige Kind im Hort, das eine Behinderung hatte. Als ich

später in die Schule ging, habe ich dann noch stärker realisiert, dass ich anders bin. Dass

ich nicht gleich bin. Und dass ich wegen meiner Behinderung auch anders behandelt werde.

Ich humpelte und konnte nicht so laufen wie die anderen Kinder, Fußball spielen oder in den

Urlaub fahren. Stattdessen verbrachte ich die meisten Ferien im Krankenhaus, weil ich mal

wieder operiert werden musste. In meinen Augen war ich alles, aber nicht perfekt. Ich kann

mich sehr gut daran erinnern, dass ich mich damals gefragt habe: Warum bin ich es, die

eine Prothese tragen muss? Ich hatte so viele Zweifel als Kind und als Teenager.


Die Schutzwand bröckelt

Sich in seiner Haut wohlzufühlen ist als Teenie ja sowieso so eine Sache. Eine Behinderung

on top macht es neben den Pickeln im Gesicht nicht wirklich leichter. Deshalb war ich als

junges Mädchen eine Meisterin darin, alles perfekt zu verstecken: Mein krummes Bein links

und mein unechtes Bein rechts. Am liebsten habe ich die damals total angesagten

Schlaghosen getragen. Der Schlag gab mir Sicherheit, denn so musterte mich nicht jeder

von oben bis unten. Das Problem war nur, sobald meine Schutzwand aus langen Hosen und

Röcken wegfiel, war ich nackt. Man kann das gut mit einem Haus vergleichen: Außen ist

schicker Putz aufgetragen, sodass es perfekt aussieht. Aber Innen ist es trotzdem noch

etwas renovierungsbedürftig. Natürlich gab es immer wieder Situationen, in denen ich den

äußerlichen Schutz nicht aufrechterhalten konnte. Sobald ich zum Beispiel im Freibad die

lange Schlaghose abgelegt hatte und von der Liegewiese ins Wasser gehen wollte,

bröckelte meine schöne verputzte Schutzwand. Da wurde ich wieder von oben bis unten

gemustert. Wie eine Attraktion im Zoo, bis ich endlich im Wasser war. Erleichterung! Endlich

im Wasser!


Eine Sache der Einstellung

Heute, 15 Jahre später, ist das komplett anders. Ich trage sogar Hotpants und kurze Röcke,

wann immer ich möchte. Dass jeder die Prothese sieht, ist kein Problem mehr für mich – im

Gegenteil. Was hat sich geändert, dass ich mittlerweile sogar positive Reaktionen auf meine

Behinderung bekomme? Es ist nicht die Welt um mich rum – sondern meine Einstellung zu

mir selbst! Ich habe aufgehört, den Vorstellungen von schön und makellos entsprechen zu

wollen. Ja, mir fehlt ein Bein und ja, ich humple mal mehr, mal weniger auf meinem linken

Bein durch die Welt. Aber ich lasse mich nicht mehr von der Angst, anderen nicht zu

gefallen, abhalten, mein Leben zu leben. Jeder darf sehen: Das bin ich, so wie ich bin,

perfekt unperfekt! Damit gehe ich ganz anders auf Menschen zu und das wirkt sich darauf

aus, wie diese auf mich reagieren. Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, trage ich zum

Beispiel eine spezielle Radprothese, bei der nur ein einziges Stahlrohr nach unten geht, mit

dem ich mich direkt in die Pedale einklicke. Wenn ich nach drei Stunden eine Kaffeepause

machen möchte, klicke ich aus, stelle mein Rad zur Seite und laufe wie Cäpt‘n Hook ins

Café und bestelle einen Cappuccino. Natürlich werde ich auch hier angeschaut. Aber es

stört mich nicht mehr. Mustert mich jemand „unten rum“, lächel ich ihn an und auf einmal ist

das Eis gebrochen.


Selbstakzeptanz: Kein einfacher Prozess – aber er lohnt sich

Ich habe gemerkt: Wenn ich bereit bin, mich selbst im Kopf zu „enthindern“ und lerne, mich

und meinen Körper so anzunehmen und zu lieben, wie er ist, eröffnen sich so viele

Möglichkeiten. Allerdings weiß ich auch, dass das nicht von heute auf morgen passiert. Es

gibt keinen Schalter, den man einfach umlegt und sagt: „Jetzt bin ich selbstbewusst“. Der

Weg zur Selbstakzeptanz ist ein Prozess, der nicht immer einfach ist. Er hat Höhen und Tiefen. Aber der Weg dorthin ist wichtig und wertvoll. Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem

ich schon seit Jahren keine kosmetische Prothese mehr trage – weil ich meine Behinderung

gar nicht mehr verstecken möchte. Sie ist ein Teil von mir und meiner Geschichte. Sie hat

mich geprägt und stark gemacht. Ich habe die Schublade zugemacht und eine neue voller

Chancen und Möglichkeiten aufgemacht.


Meine Prothese – designed by me

Genau um dieses Selbstbewusstsein zu zeigen, ist Mecuris ein wichtiger Partner an meiner

Seite, mit dem ich gerne zusammenarbeite - denn wir teilen eine Vision. Mecuris hat es sich

zum Ziel gesetzt, Orthopädietechnikern den Zugang zu den Vorteilen der Digitalisierung und

des 3D-Drucks zu erleichtern und damit auch das Leben von uns Prothesenträgern zu

bereichern. Mit der Mecuris Solution Platform kann ich heute zu meinem

Orthopädietechniker gehen und eine Prothese erstellen, die genau zu mir passt – nicht nur

in der Passform, sondern auch im Design. Ich bin aktiv in den äußeren Gestaltungsprozess

meiner Prothesen eingebunden und kann mitbestimmen, wie sie aussehen soll. Mittlerweile

besitze ich sogar mehrere Prothesen-Cover in unterschiedlichen Designs – zum Beispiel

eine elegante Variante in Weiß, die ich besonders gerne auf dem roten Teppich trage oder

auch eine Badeprothese in türkis und schwarz mit wellenförmigem Muster. Meine Prothese

im Schwimmbad oder im Alltag verstecken? Kommt für mich nicht mehr in Frage, dafür finde

ich sie viel zu schön. Diese Möglichkeit der Individualisierung ist ein unglaublicher Fortschritt

und gibt Menschen mit Amputation die Chance sich mit der Prothese viel früher und

schneller zu identifizieren. Ich finde alle Menschen mit Amputation sollten diese nutzen

können. Denn wer eine Prothese bekommt, die ihm gefällt und die zu ihm passt, kann viel

offener und selbstbewusster mit seiner Behinderung umgehen. Gemeinsam mit Mecuris will

ich mich genau dafür einsetzen.


Eine Prothese, die zu mir und meiner Persönlichkeit passt

Wir haben das unglaubliche Glück, in einer Zeit zu leben, in der eine Amputation keine

Sackgasse mehr ist. Dank einer guten prothetischen Versorgung und den Entwicklungen in

den letzten Jahren wird uns viel ermöglicht: Ich kann auf beiden Beinen durch die Welt

laufen, reisen, Familie gründen und meinen Alltag bewältigen. Dafür spüre ich unendliche

Dankbarkeit. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass meine Rennprothese aus dem 3D

Drucker kommt? Keiner. Oder dass ich jeden Tag nach Lust und Laune die Farbe und das

Muster meines Beines ändern kann? Dank der Digitalisierung, 3D Druck und innovativen

Unternehmen wie Mecuris, die diese Entwicklungen in die Orthopädietechnik bringen,

können wir unsere Prothese nun so gestalten, wie wir sie gerne haben wollen und wie sie zu

uns und unserer Persönlichkeit passen. Das gilt für die kleine Larissa im Alter von 8 Jahren

mit einem Einhorn-Cover für ihre Prothese, für Jonas mit 12 Jahren mit Superman-Motiv und

für mich, Denise Schindler, 33 Jahre, mal mit weißem Gala Cover, mal mit der

Badeprothese mit Wellenmotiv.


Verändern wir die Zukunft

Wie wir heute in der Öffentlichkeit mit unserer Amputation und Prothese umgehen, wird die

Gesellschaft von morgen ändern. Mit unserem Selbstbewusstsein und unserer Natürlichkeit

im Umgang mit einer Amputation sind wir Leuchttürme für die Menschen, die jetzt gerade in

diesem Moment die Augen aufschlagen, an sich herunterblicken und feststellen müssen,

dass ein Bein oder ein Arm fehlt. Deshalb ist es an uns, das Bild nach außen in die Hand zu

nehmen, aus unserer Komfortzone zu gehen, die lange Hose nach oben zu krempeln und

mit einem neuen Selbstbewusstsein durchs Leben zu gehen! Dabei wollen wir

mitbestimmen – beim Design der Prothese und dem Entstehungsprozess. Wir sollten sagen,

was wir brauchen und was wir uns wünschen. Die Digitalisierung öffnet uns die Türen dafür.

Wir sind perfekt, so wie wir sind. Du bist perfekt, genau so wie du bist. Ich bin perfekt.


I’M PERFECT. YOU’RE PERFECT. WE’RE PERFECT.



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A question of attitude: perfect imperfect


Anything but perfect...

Do you also know the feeling when you look at your body and “find” something not beautiful? As a child, the feeling of being imperfect was my constant companion. Growing up in a small village, I was the only child at daycare with a disability. Later, when I went to school, I realized even more that I am different. I'm not the same. Because of my disability I'm treated differently.


I limped and could not walk like the other children, play soccer or go on vacation. Instead, I spent most vacations at the hospital because I had to be operated on, again. From my point of view I was everything, but not perfect. I clearly remember that I wondered at that time in my life ”Why am I the one who has to wear a prosthetic?” I had so many doubts as a child and as a teenager.



The protective wall crumbling

As a teenager, feeling comfortable in your own skin is one of those things which is difficult anyway. A disability on top doesn't really make it any easier next to the pimples on your face. That's why, when I was a teenage girl, I was a master at hiding everything perfectly: My crooked leg on the left and my fake leg on the right. What I liked best of all were the really hip flared slacks, which were in fashion. The style gave me security, because people didn’t look me up and down. The problem was, once my protective wall of long pants and skirts fell off, I was naked.

It's a lot like a house: On the outside put on some fancy plaster so it looks perfect. But on the inside, it's still in need of some renovation. Of course, there were always situations in which I could not maintain external protection. For example, as soon as I had taken off long the flaired pants and wanted to go into the water at a public pool from the lawn, my pretty plastered protective wall crumbled. So I was again, scrutinized from top to bottom. Like a zoo attraction until I was finally in the water. Relief, in the water!



A matter of attitude

Today, 15 years later, it is completely different. I wear hot pants and short skirts, whenever I want. The fact that everyone can see the prosthesis is no longer a problem for me - in fact - just the opposite. What’s changed that even now I have positive reactions towards my disability? It is not the world around me - but my attitude towards myself! I have ceased the want to live up to the preconceived idea of beautiful and flawlessness. Yes, I am missing a leg. Yes, I sometimes limp more, sometimes less on my left leg. but, I'm no longer afraid neither of being myself, nor from living my life. Everyone can see: This is me as I am, perfectly imperfect! It makes me approach people in a very different way and that affects how they react to me. When I cycle, for example, I wear a special cycling prosthesis which consists of a single steel tube that I click right into the pedals myself. When I take a coffee break after three hours of riding, I click off my cycling prosthesis, park my bike and walk like Captain Hook into the café and order a cappuccino. Of course I am also stared at here. But it doesn't bother me anymore. When someone looks me up and down, I smile at them and suddenly the ice is broken!


Self-acceptance: It’s not an easy process - but it's worth it

I have noticed: When I am ready to mentally "unblock" myself and learn to accept and love my body as it is, so many possibilities open up. However, I also know that this does not happen overnight. There's no switch you can flip and say, "Now I'm confident." The path to self-acceptance is a process which is not always easy. It has its ups and downs. But, the path to it finding it is important, and valuable. I'm at a point now where I haven't worn a cosmetic prosthesis for years - because I don't want to hide it anymore. IT IS's a part of me and my story. It's shaped me and made me strong. I closed that door and a new one full of opportunities and possibilities opened up.



My prosthesis - designed by me

To show this self-confidence, Mecuris is an important partner on my side. I enjoy working together with them - because we share a vision. Mecuris has the goal of giving prosthetists & orthotists access to the advantages of digitalisation and of 3D printing. Thus also making life easier and enriching it for us, the prosthesis wearers. Using the Mecuris Solution Platform, today I can become my prosthetist and create together with him, a prosthesis that fits me exactly - not only in the fit, but also in the design. I am active in the external design process of my prostheses and have a say in how it looks. Meanwhile I even own several prosthesis covers in different designs - for example an elegant variation in white, which I especially like to wear on the red carpet. Also a bathing prosthesis in turquoise and black with a wavy pattern. Do I hide my prosthesis in the swimming pool or in everyday life? No longer an option for me, I’ve found out that I like them too much. This possibility of individualization is an incredible progress and provides amputees the chance to get used to the prosthesis much earlier and to quickly identify with them more. I think all people with an amputation should use these prostheses. If you get a prosthesis which you like and that fits you, you deal with your disability more openly and confidently. Together with Mecuris that's exactly what I'm doing.



A prosthesis that fits me and my personality

We are incredibly lucky to live in a time where amputation is no longer an impasse. Thanks to a good prosthetic fitting and the developments in the past years, I can conquer the world securely on both legs! I can easily travel, start a family and manage my everyday life. I feel infinite gratitude for this confidence. Who would've thought ten years ago that my racing prosthesis would be made by a 3D printer? I bet no one. Or that every day, at my whim, I can change the color and the pattern of my leg? Thanks to digitalization, 3D printing and innovative companies like Mecuris, which bring these developments to orthopaedic technology, we now can design our prosthesis the way we want it to be. How we want it to fit us and our personality. This applies to little 8 year old Larissa with a unicorn cover for her prosthesis, for 12 year old Jonas sporting a Superman motif and for me, Denise Schindler, 33 years old, sometimes wearing a white gala cover, other times a wave motif bathing prosthesis.


Change the future

The way we deal with our amputation and prosthesis in public today is the societal change of tomorrow. With our self-confidence and our authenticity in dealing with an amputation, we are beacons for the people who are currently looking in your eyes, then look down and realize that you have a leg or an arm is missing. Therefore, it is up to us to show the public our image and get out of our comfort zone Roll up your long pants and go through life with a new confidence! We want to have a say - in the prosthesis’ design and in its creation process. We should say, what we need and what we want. Digitalization opens the doors for us to do this. We are perfect just the way we are.



I'M PERFECT. YOU'RE PERFECT. WE'RE PERFECT.



Denise Schindler - Para-Radprofi und unterschenkelamputiert seit dem 3. Lebensjahr

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