Individuelle 3D gedruckte Orthesen

Eine Einordnung: Handwerk, Software, Servicefertigung, 3D Druck


Orthopädietechniker, die sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, stellen sich zu Beginn meist folgende Fragen: Wie komme ich von einer Datei zu einem 3D gedruckten orthopädischen Hilfsmittel, wie einer Orthese? Welche Materialien werden bei dieser Fertigungstechnik verwendet? Kann und soll ich Schäfte oder Orthesen überhaupt 3D drucken? Wenn ja, wie bekomme ich genau das 3D gedruckte Endprodukt, das ich haben will?


In diesem Artikel zeigen wir, welche Wege zur 3D gedruckten Orthese möglich sind und wie wir mit der Mecuris Solution Platform eine Alternative zu komplexen Software-Lösungen auf der einen bzw. der Servicefertigung auf der anderen Seite bieten.


Eins vorweg: Wie so oft, gibt es zu den oben gestellten Fragen keine einfachen Antworten. Für eine bestmögliche Versorgung eines Patienten wird ein Orthopädietechniker immer eine Wahl haben wollen, ob er digitale mit traditionellen Workflows verbinden will oder sogar ganz digital arbeiten will. Und das ist auch genau richtig, wie wir finden. Oft bestimmen die Rahmenbedingungen allein, ob sich handwerkliches Tiefziehen oder Laminieren oder der 3D-Druck anbietet, um in Summe dann an Effizienz zu gewinnen und ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen.


Wenn es aber darum geht, den gesamten Prozess zu digitalisieren, um beispielsweise eine Orthese 3D zu drucken, haben Orthopädietechniker jetzt eine gute Alternative zu teuren und komplexen CAD/CAM Software-Anbietern oder zur Servicefertigung.



Komplexe Software oder Servicefertigung? Geht das nicht einfacher?


Schauen wir uns kurz diese beiden Optionen an, bevor wir zur Alternative kommen: Wer sich eine komplexe CAD/CAM Software für die Konstruktion ins Haus holt, muss meist mit hohen Kosten rechnen und ist oft auch damit lange Zeit gebunden. Hier kommen nicht nur Installations- oder Lizenzkosten zum Tragen, sondern vor allem auch hohe Folgekosten und Abhängigkeiten: Lange Einarbeitungszeiten führen zum Beispiel zu einer Abhängigkeit von wenigen Anwendungsexperten. Oft ist man sogar an system-verbundene Bundle-Produkten gekoppelt, wie z.B. Scanner oder dergleichen.


Arbeitet ein Techniker wiederum mit einem externen Dienstleister für die Servicefertigung zusammen, gibt er wiederum sein Wissen aus der Hand. Er verliert die Flexibilität selbst zu tüfteln, um im Konstruktionsprozess ggf. auf eine noch bessere Lösung für den Patienten zu kommen. Passt die gelieferte Orthese dann nicht zu den Vorstellungen, beginnt der Prozess der Abstimmungen von vorne. Zudem gilt im Rahmen der MDR zu beachten, dass diese Art der Servicefertigungen augenscheinlich nicht mehr automatisch unter die Definition einer Sonderanfertigung fallen. Vielmehr müssen beispielsweise die auf einem parametrisierten Modell basierend gefertigten Orthesen-Rohling als CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt zugelassen sein.

Regulatorisch muss dann der Orthopädietechniker vom Servicefertigungs-Dienstleister Konformitätserklärungen einholen und im eigenen Qualitätsmanagementsystem nachhalten.


Es gibt jedoch eine echte Alternative zu den beiden oben genannten Optionen. Eine, die es dem Techniker ermöglicht, komplett selbstständig digital zu arbeiten und den Gesamtprozess der Erstellung einer 3D-gedruckten Orthese in der Hand zu behalten. Die Softwarelösung auf der Mecuris Solution Platform.


Die Alternative: Mecuris3D Creator, unser Werkzeug zum Design individueller Orthesen UPDATE Oktober 2022: JETZT NOCH MEHR ANWENDUNGEN


Kein Raspeln im Gipsraum, kein Tiefziehen, kein Material- und Gipslager. Dafür bietet der digitale Prozess die Option der einfachen Dokumentation, die Möglichkeit, Bearbeitungsschritte jederzeit zu widerrufen oder wiederholen zu können, millimetergenaues Arbeiten und eine einfache Reproduzierbarkeit.

Auf der Mecuris Solution Platform setzt der Techniker drei unabhängig nutzbare digitale Werkzeuge ein, um eine druckfertige Orthese von der Haltungskorrektur über die Zweckform-Modellierung bis hin zur Konstruktion zu erstellen.


Für das Design der fertigen Orthese steht das Werkzeug Mecuris3D Creator zur Verfügung. Dessen Entwicklung haben wir auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Techniker gestützt und diese dann in Kooperation mit unserem Technologiepartner trinckle, einem Softwareanbieter für automatisierte Designprozesse, umgesetzt. Ziel war es, eine einfache Möglichkeit zu schaffen, das komplexe Thema der Orthesen-Konstruktion für bestimmte Anwendungsfälle so einfach wie möglich zu übersetzen. Nachdem wir den Mecuris3D Creator letztes Jahr für erste Anwendungsfälle freigeben konnten, freuen wir uns jetzt auf ein wichtiges Update.



Ab Oktober 2022 lässt sich der Mecuris3D Creator auf deutlich mehr Versorgungsfälle anwenden:

Bisherige Anwendungsfälle:

  • AFO - Unterschenkelorthesen

  • WHFO - Handgelenks- & Handorthesen

Neu hinzugekommen sind folgende Körperpartien:

  • KAFO - Ganzbeinorthesen: ideal, wenn hier zwei- bzw. dreiteilige Orthesen (Fuß-, Unterschenkel-, Oberschenkelschale) separat gedruckt werden

  • Knieorthesen

  • EWHFO - Versorgungen für den gesamten Arm: Auch hier bietet sich an - vor allem bei Versorgungen für Erwachsene - die Orthese in zwei Teilen zu drucken

  • Weitere Anwendungen, wie z.B. Korsette - aktuell empfohlen für pädiatrische Anwendungen oder Kielbrust-Orthesen

Mit dem Mecuris3D Creator sind Sie in Ihrem Design komplett flexibel. Das Werkzeug bietet ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit: Eine freie Wahl der Wandstärke, ein freies Definieren des Randverlaufs, das Setzen von Löchern oder Schlitzen für Verschlusssysteme sowie das Einbringen von Mustern und Perforationen an verschiedenen Stellen, um das Design mit dem Nutzer individuell zu gestalten und zugleich für eine gute Durchlüftung und ein geringes Gewicht zu sorgen.

Das Know-how, das für die Gestaltung einer Orthese notwendig ist, bleibt dabei komplett beim Orthopädietechniker. Zeitintensive Abstimmungen mit externen Dienstleistern in der Servicefertigung entfallen.


Der 3D-Druck der Orthese findet anschließend auf dem eigenen Drucker oder über einen Druckdienstleister statt. Fertigungsdienstleister für Ihre Orthese finden Sie auch auf der Mecuris Solution Platform:




Wenn Sie das Thema tiefergehend interessiert, empfehlen wir hierzu die

>>Webinar-Aufzeichnung zum Thema "In einer Stunde zur gedruckten Orthese" mit druckerfachmann.de <<

Auch das Webinar unseres Kollegen Jannis Breuninger bietet wertvolle Insights zu diesem Thema: >> Digitale Fertigung leicht gemacht: 3D-Druck, Fräsen und mehr”<<

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